2021 begann, wie 2020 endete – verwirrend.

In den USA fand ein Wechsel statt. Der Vertrag des weltgrößten Entertainers wurde nicht verlängert, 
dafür berief man Sankt Joe. Dem heiligen Joe wird nun alles gelingen. Sicher findet er auch die 15 Millionen Impfdosen, welche der Regierung unerklärlicher Weise gerade abhanden kamen. Die Annahme, 
dass Hunter Biden sie an die Ukraine verkauft habe, gilt als verfrüht. 
Derzeit ist man noch beim Sturm auf die Bastille – pardon, Capitol. 
Komisches Volk, diese Amerikaner. 
Das Capitol gilt als Haus des Volkes. Aber wenn das Volk mal vorbeischauen will, gilt es gleich als Aufstand. 
Das völlige Fehlen von Schuldgefühlen erklärt auch, warum die Beteiligten sich dabei gefilmt haben. 
Neben der Tatsache, das dies die Fahndung erleichtert, ist es auch ein Beleg für den typisch amerikanischen Humor. Eine scheinbar nicht verarmte Maklerin aus Kalifornien flog mit ihrem Privatjet nach Washington, 
um sich die Volks-Immobilie mal von innen anzuschauen. Vor Gericht lehnte sie eine Haftstrafe ab, 
da sie ein Wellness-Wochenende in Mexiko gebucht habe. 
Lockdown gilt nur für die mit den Naturlocken.
Schlechter erging es einem neunjährigen Mädchen in New York, das in Handschellen abgeführt wurde. 
In der Ära Trump wäre das noch ein Skandal gewesen.
Wer nun annimmt, die Supermacht sei umnachtet, soll nicht vorschnell urteilen. 
Die ersten 1460 Tage sind für Joe Biden nicht einfach.
 
Eines ist sicher, Corona und Crime gehen eng zusammen. 
An den großen Flughäfen Europas werden gefälschte Zertifikate über einen negativen Corona-Test 
zwischen 40 und 300 $ gehandelt. 
Und Großbritannien hat vier mal so viele Impfdosen gekauft, wie es Briten gibt. 
Mit den Verkaufserlösen kommt das Land über den ersten Brexit-Schmerz hinweg. 
Während Frau Dr. med. von der Leyen und ihre Sprechstundenhilfen in Brüssel zusehen, 
wie Europa in Kassen- und Privatpatienten geteilt wird. Während die Brüsseler Tauben glauben, 
dass Pharma-Unternehmen der Caritas angehören, gibt es hinter den Kulissen Bares für Rares. 
Hurra, wir sind die Guten! Ohne Impfstoff – aber gut. 
Emmanuel Macron, der schlecht regieren aber gut reden kann, fasst den britischen Sonderweg  zusammen: 
England muss sich entscheiden, ob es der beste Freund der USA, der EU oder das neue Singapur werden will. 
Dann hat er mit Genehmigung von Brigitte noch die Warnung hinzugefügt: Man soll sich seine Freunde sorgfältig aussuchen! 
 
Apropos Freunde. 
Die CDU hat unter drei engen Freunden zwei Verlierer gewählt. 
Sieger wurde der Mann, der schon mit NRW hoffnungslos überfordert ist. 
Zur Pandemie meinte er, die beste Strategie sei, auf Sicht zu fahren. Das ist richtig, wenn man völlig umnebelt ist. Richtige Kapitäne halten einfach Kurs. 
Er wird wohl der Gegenkandidat zu Olaf Scholz. 
Der Bundesfinanzminister hat sich gerade sein komplettes Versagen in Sachen Wirecard 
von Roland Berger für einige Millionen Steuergelder schönreden lassen. 
Jetzt greift Onkel Olaf an. 
Die neue Bafin erhält die weltbesten Finanzanalysten, die man in der Besoldungsgruppe VII B bekommen kann.
Wir haben im September mal wieder keine Wahl. Dick und Doof sind wirklich keine Alternative.

 

Aber das regt uns nicht auf. 
Unser Kernland ist nämlich Russland. 
Dort steht Alexei Nawalny vor Gericht. Er hat rund 60 mal gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen. 
In jedem Rechtsstaat der Welt würde daraufhin die Bewährung in eine Haftstrafe umgewandelt. 
In unserem Land liegt jedoch die Rechtsprechung bei Spiegel, BILD und Konsorten. 
Und die haben beschlossen, noch einmal Auflage vor Recht ergehen zu lassen. 
Was sollen diese Klatschkolumnisten auch machen?
Trump ist twittermäßig kastriert, Nawalny in Haft – da müsste man am Ende über ernsthafte Probleme schreiben.
Putin wirft man vor, dass er sich nicht an die Gesetze hält. Dem Gericht wirft man vor, 
dass es sich an die Gesetze hält. 
Russland ist ein Rätsel verpackt in einem Enigma – meinte schon Churchill. 
Nur zur Erinnerung. 
Nawalny wurde bereits verurteilt wegen Rassismus und Nationalismus (und das in Russland). 
Er wurde angeblich vergiftet und telefonierte mit dem Vergifter, der natürlich seine Tat Unter dem Druck 
eines Ferngesprächs zugegeben hat. 
Wie blöd muss man sein, um das zu glauben? 
Frisch geschiedene Giftspritzen melden sich bitte beim russischen Geheimdienst. Die suchen dringend Fachkräfte. Zweimal im Koma und fit wie ein Turnschuh. Kein Wunder, dass die Russen alle Goldmedaillen holen. 
Auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung am Dienstag scherzte er mit Ehefrau Julia, die nun die Geldspenden stellvertretend einsammeln wird, dass er schon starke Entzugserscheinungen in Sachen Twitter habe. 
Gefängnis ohne Smartphone – so grausam können nur Russen sein. 
 
Ist Nawalny vielleicht der neue Lügenbaron Alexej Trumpski? 
Dann bestünde Hoffnung für Satire und Comedy. 
Denn der heilige Joe bleibt jetzt vier Jahre lang unantastbar. 

 

03 02 2021
© Achim Krausz

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