Der gesunde Minister für Gesundheit

Nachdem sich Donald Trump nach Florida zurückgezogen hat, wo er kubanische Exilanten für den Sturm auf das Weiße Haus trainiert, ist es ziemlich fad geworden.
Zwangsläufig müssen wir uns daher mit unseren eigenen Politikern beschäftigen.
Da springt uns ein junges Nachwuchstalent ins Auge – Jens Spahn (Jahrgang 1980) .
Unser Minister für Gesundheit hat sich in erstaunlich kurzer Zeit gesund gestoßen.
Als Sohn katholischer aber ehrlicher Eltern im münsterländischen Ahaus kam er ins bischöfliche Internat. Schon seit dem Mittelalter entsorgten Klöster und Kirchen jene, die sich nicht dynastisch betätigen wollten. Zu jung für den Job als Papst entschied er sich für die weltliche Version: er ging zur CDU.
Es bezeugt seine rasche Auffassungsgabe, dass er zuvor die wichtigste Voraussetzung erfüllte – eine Banklehre. Sie war ihm eine Lehre. Mit Arbeit bringt man es zu nichts.
Und so wurde er Abgeordneter – mit 22 Lenzen.
Weit weg von Ahaus —dennoch im vertrauten dörflichen Ambiente von Berlin. Dort gibt es zwar keinen Münsterraner Karneval – kaum einer will eine Maske tragen. Dieser IQ kommt einem vertraut vor. Und so bekämpfen sie das Gefühl intellektueller Isolation durch Vernetzung. Zu Kreativen. Die Karrieren kreieren können.
Bereits 2017 nahm der hoffnungsvolle Nachwuchspolitiker Spahn an der „Bilderberg-Konferenz" im US-Staat Virginia teil. Und schon im März 2018 wurde er Minister für Gesundheit. Kein Karrieresprung, eher ein Stabhochsprung, der etwas ungesund klingt. Ungesünder im Hinblick auf politische Hygiene mag folgendes sein.
Spahn gründete als Abgeordneter eine Lobby-Firma, welche die Interessen der Pharma – und Medizinindustrie vertritt. Der Frischling hat schnell verstanden: Von Diäten kann man nicht satt werden.
In der Folge kann man davon ausgehen, dass der Lobbyist Spahn beim Gesundheitsminister Spahn relativ leicht Termine erhält.
Früher hätte man noch gesagt, das habe ein Geschmäckle. Heute ist es politische Haute Cuisine.
An dieser Stelle sei auf eine Meldung des Medienreports Kress verwiesen.

„Wie Jens Spahns Google-Deal auch wegen eines Bundestag-Gutachtens unter Druck gerät"
In einer Einstweiligen Verfügung hatte das Landgericht München die vom Gesundheitsminister Jens Spahn eingefädelte Google-Kooperation beim Medizinportal Gesund.bund.de untersagt. Nun kommt auch Kritik aus einem Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags..."

Natürlich besteht keinerlei Zusammenhang zwischen seinen Tätigkeiten und dem Erwerb einer Villa in Berlin-Dahlem Mitte 2020 für mehrere Millionen Euro. Spahn, der zwei Drittel des Kaufpreises zahlte, denkt eben positiv. Wenn in Corona-Zeiten viele in die Armut fallen, fallen auch die Immobilienpreise.
Ein weiterer Stern am Lobbyisten-Himmel ist Spahns Ehemann Daniel Funke. Es ist ein ebenso böses wie unhaltbares Gerücht, dass er seine Laufbahn als Funke-Mariechen begann.
Seinen Job als Chef-Lobbyist der Burda Mediengruppe schuf Hubert Burda himself, der schon die Karriere von Maria Furtwängler dirigiert. Daniel Funke ist nun das fehlende Glied zu Berlins Schickeria. Denn die Burda-Medien haben durch die Schließung der Friseursalons doch sehr stark gelitten. Diesen hoch dotierten Job hätte Klaus Wowereit gerne gehabt. Aber der ist raus aus der Politik, und Jens Spahn immer noch drin.
Momentan stellt er gerade ein Schnäppchen ins Netz. Seine alte Wohnung für rund 1,6 Millionen € warm.
Da Abgeordnetenur 6.250 € erhalten, muss noch eine kleine schwäbische Hausfrau in ihm stecken.
Die Berliner Gerüchteküche flüstert, dass Makler beim Gespann Spahn/Funke immer ein offenes Ohr für Luxusimmobilien finden. Der Haus- und Grundbesitzerverein fragt sich schon lange, wann er diese nervige Nebenbeschäftigung aufgeben wird.
Da Jens Spahn wie Donald Trump seinen Ruf von Anwälten retten lässt, sei hier ausdrücklich festgehalten, dass der Inhalt dieser Glosse mit Ausnahme der Fakten rein fiktiv ist.
Somit endet der Text nicht so traurig wie er begann.
Die Amis hatten einst Donald Trump, wir haben immer noch Jens Spahn.

20 02 2021

© Achim Krausz

www.spiegel-verkehrt.de

Der nebelig kalte November hat seinen Schrecken verloren. Es gibt ein Licht am Ende der Leselampe: Das neue Buch von Achim Krausz ist erschienen!

Mit einem Kosten-Nutzen-Verhältnis von 0,45 Cent pro Seite ist es günstiger als Goethes Wahlverwandtschaften und zudem jugendfrei.

 

Taschenbuch, 280 Seiten, 12,60 € | Als E-Book/Kindle 6,00 €
Kostenlose Corona-konforme Lieferung bis zur Leselampe
Sofort lieferbar - hier bei Amazon bestellen