Ein leeres Jahr? Ein Lehrjahr!

COVID 2020.
Und das soll's gewesen sein?
Ein ganzes Jahr als Fieberkurve?
Ein leeres Jahr, ein gestohlenes Jahr –
und das nicht nur für uns Morituri?

Das kann nicht sein!
Wir haben viel gelernt über das soziale Verantwortungsgefühl der Deutschen – ganz ohne Maske.
Über Gewalt von rechts und von links – und von oben.
Über unser desolates Bildungssystem – nicht nur bei Verschwörungstheoretikern.
Über mangelnde Vorsorge für den Ernstfall – selbst wenn statt des Russen nur Corona kommt.
Auch wirken Mieten nicht mehr überhöht – wenn man 24 Stunden lang nur wohnt.

Aber der Reihe nach.
Wenn wir richtig mitgeschrieben haben, dann war es ein besonderes Lehrjahr.
Die erste aber leider alte Erkenntnis:
Politiker fühlen sich nicht dem Wähler verpflichtet sondern nur ihrer Wiederwahl.
Anfangs verkündete Jens Spahn in Abstimmung mit seiner Chefin: Gesichtsmasken sind unnötig.
Da hatte die Regierung keine. Wenige Monate später wurde jeder bestraft,
der unvermummt eine Bank betrat.
„Corona geht wieder von selbst" – so sprach der US-Präsident. Wer ging, war Donald Trump.
Aber erst nach komplizierten Wahlen.
Gerade erhielt ein Impfstoff in zwei Staaten eine Notfallzulassung.
Das bedeutet, dass bei Impfschäden und ihren Folgen der Steuerzahler für die Kosten aufkommen muss.
Bei einer regulären Zulassung läge diese Verpflichtung beim Hersteller.
Aber die Politiker helfen ja gerne den Konzernen. Es ist schließlich ihr Geld – nämlich das, was sie später als Berater kassieren.
Pfizer erhält übrigens für Entwicklung, Produktion und Vertrieb Milliarden an Steuergeldern. Nach der Herstellung des Serums in Indien wird es dann in Belgien abgefüllt. Das macht den Impfstoff zu einem EU-Produkt.
Pfizer forscht – in Sachen Steuervermeidung.
Die Staaten selbst übernehmen dann die Kosten der Impfung.
Das berührt allerdings nicht den Umstand, dass Pfizer eine Gewinnspanne von 80 %
an dem Impfstoff sich injiziert. Der stark überhöhte Preis erklärt auch, warum nur die reichen Länder
mit dem Impfstoff bedient werden. Die ärmeren regulieren ihre Epidemie über den Zentralfriedhof.

Apropos arm.
Großbritannien will seit viereinhalb Jahren die EU verlassen, findet aber die Türe nicht.
Vor elf Monaten leistete das Land sich das, was sich Italien verkniff:
Sie wählten einen Clown ins höchste Amt.
Boris Johnson, einer der Initiatoren des Brexit, möchte 27 Staaten zwingen, Englisch zu singen.
Aber wenn der gesamte Chor beleidigt ist, hat der Dirigent keine Chancen.
Nun kommt also der von ihm gewünschte „harte Brexit".
Daheim ist Boris dann der strahlende Sieger. Allerdings nur, falls er keine Faule-Eier-Allergie hat.
Auf die Straße darf er dann nicht mehr. Außerdem wird sie durch volle LKWs blockiert,
die ihre Ladung gerne nach Europa exportiert hätten.
Aber wie das so ist im Leben – da kommt praktischerweise ein neuer Skandal daher.
Prinzessin Diana soll vor 25 Jahren mit unsauberen Mitteln in ein BBC—Interview gezwungen worden sein,
bei dem sie eheliche Untreue zugab. Die BUNTE wird in schwarz erscheinen.
Was ist schon der Brexit gegen diese Aktualität?

Das führt uns in die USA
Joe Biden ist nicht zu beneiden.
Der katholische Ire muss die Schäden des evangelikalen Irren in vier Jahren beheben.
Herkules (der mit dem Augias Stall) war im Vergleich zu Joe ein Minijobber.
Da helfen keine Halssprüche.
Dennoch – God Bless America.

Apropos Segen.
Olaf Scholz durfte mal wieder ins Fernsehen.
Seine Partei hat ihn wie immer ganz allein gelassen.
Und so stand er verloren und einsam vor der Kamera.
Debate Campus. Das war etwas Digitales und damit das natürliche Habitat der SPD.
Und so sprach er, die machtlosen Händchen ringend, Worte von luzider Intelligenz.
„Wir fordern einen Mindestlohn von mindestens zwölf Euro".
Und wieder hat unserem Zahlenakrobat keiner gesagt, dass im Wort Mindestlohn –
schon rein sprachlich – eine Untergrenze eingebaut ist.
Und da ihn keiner bremste, fuhr er fort, „...dass dieser Lohn den Respekt vor der Arbeit ausdrücke".

Olaf, alter Wikinger, komm in die Neuzeit.
Arbeitnehmer wollen nicht so sehr Respekt als vielmehr eine Entlohnung, von der sie leben können.
Respekt ist wie Klatschen, davon kann man nichts kaufen.
Das mit den zwölf Euro hat dir die Industrie eingeredet.
15 € stellen die Untergrenze dar. Um es in deinen Worten zu sagen:
das sollte als Mindestlohn mindestens gezahlt werden.

Gehen wir zum Abschluss in das nächstgelegene Disneyland .
Immanuel Macron ist von seinem Volk weiter entfernt als Ludwig XIV von den Arbeitern des Canal du midi.
statt Polizeigewalt zu unterbinden, verhindert er deren Dokumentation.
Das hat er nicht in Paris gelernt, sondern in Ingolstadt.
Horst Senilowitsch Seehofer denkt ähnlich.
Wenn man Rechtsradikalismus bei der Polizei ins Verhältnis setzt
zu 83 Millionen Deutschen, ist es wirklich nur ein Vogelschiss.
Damit wird er Anwärter auf eine Ehrenmitgliedschaft bei der AfD.

Ach ja, Corona war auch noch.

© Achim Krausz
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