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Kabarett der Komiker - KadeKo (1924 - 1944)

Als Kleinkunst-Warenhaus das größte Berliner Kabarett

Im September 1928 öffnete das "Kabarett der Komiker" unter der Leitung von Kurt Robitschek, das er bereits im Dezember 1924 gemeinsam mit den Schauspielern Paul Morgan und Max Hansen gegründet hat und zunächst an verschieden Orten spielte. Das große „Rauchtheater" am Lehniner mit 950 Plätze etablierte sich zum größten Berliner Kabarett. Hier pflegte man eine Mischung aus Theater, Operette, Variete und und politischem Kabarett. "Mit dem KadeKo entstand eine Art Kleinkunst-Warenhaus, in dem für jeden Geschmack eine Abteilung eingerichet war, eine Micxtur aus Varité, Theater und literarischem Kabarett. Alles, was Rang und Namen hatte, trat in diesem Kabarett-Großunternehmen in den Jahren bis 1933 auf" (Walter Rösler in "Kabarettgeschichte"): Claire Waldoff, Hans Moser, Theo Lingen, Ringelnatz, Karl Valentin, Ernst Busch (mit Tucholsky-Texten), Heinz Erhardt und Werner Finck, u.a. Hier wurden für das Kabarett bearbeitete Operetten (u.a. von Friedrich Hollaender) aufgeführt.
1933 emigierte Kurt Robitschek nach Wien, Hanns Schindler und ab 1938 Willy Schaeffers übernahmen den Betrieb. 
Da man ab 1933 bis auf wenige Ausnahmen möglichst unpolitisch blieb, konnte KadeKo bis zur allgemeinen Theaterschließung im August 1944 weiterspielen.

 

In dem vom Willi Kollo vertonten Chanson "Der Bücherkarren" sang der KadeKo-Conférencier Hellmuth Kürger noch 1931:

Ich baue meinen Karren um, weil ich so langsam spüre,
der Felix Dahn kriegt Publikum, nach rechts geht die Lektüre.
Den Emil Ludwig stell ich weg, der hat nun ausgejodelt,
jetzt kommt die Karre aus dem Dreck: Wir werden umgemodelt!

Wie sag ich's meinen Lesern gleich:
Wir kriegen jetzt das Dritte Reich!

Wenn ich wüßte, was der Adolf mit uns vorhat,
Wenn er erst die Macht am Brandenburger Tor hat?
Müssen wir dann alle braune Hemden tragen?
Darf dann niemand mehr das Wörtchen »nebbich« sagen?
Wird ein Vollbart unsre Heldenbrust bedecken?
Werden wir zum Gruß die dürren Arme recken?
Rufen wir dem Adolf »Heil«?!
Oder auch das Gegenteil?

Bald gibt es keine Mollen Bier, nur Met gibt es zu trinken,
Und bei Kempinski rollen wir aufs Brot den Bärenschinken.
Statt Girls tanzt ein Walkürenchor bei Herman Haller balde,
Das Kadeko macht Kabarett im Teutoburger Walde.
Hab ich das richtig vorgeahnt?
Ich weiß ja nicht, was Adolf plant!

Wenn ich wüßte, was der Adolf mit uns vorhat,
Macht er aus Berlin nur eine Münchner Vorstadt?
Wird das Tageblatt Fraktur nur schreiben?
Wird der Kreuzberg ohne Haken bleiben?
Darf sich Reinhardt nur noch Goldmann nennen?
Oder wird man ihn trotzdem verbrennen?
Trifft ins Herz uns Adolfs Pfeil?
Oder nur ins Gegenteil? (Geste auf das "Hinterteil")

 

Bildquelle: Von Peter Kuley - Eigenes Werk (Originaltext: Eigene Aufnahme), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=55488061

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