25.07.2019

No. 63

Irre sind menschlich – der Halbjahresrückblick 2019, Teil 2

Greta betört, Özil schwört, Rezo zerstört

 

Der Sultan von Brunei geht unter die Menschenfreunde, Schauspieler Selenski geht unter die Politiker, und die große Koalition geht unter. 17 weitere Anekdoten, die in der ersten Jahreshälfte 2019 nur ­fast untergingen. Teil 2: die Quartalsirren von April bis Juni.

Autor: TILMAN LUCKE

  

19. April: Karfreitag – die Originalversion von „Fridays for future“. Jesus von Nazareth war nämlich bereits im Jahr 30 nach sich selbst auf die Idee gekommen, freitags zu protestieren. Bekanntlich lag er mit den Römern über Kreuz, und ihm brannte einiges unter den Nägeln. An selbige hängte er damals nicht die Schule, sondern gleich sich selbst. Genau genommen war es also ein „Friday for torture“. Übrigens: Wäre der Karfreitag schon damals ein Feiertag gewesen, hätte die Justiz nicht gearbeitet, und Jesus könnte heute noch leben. Wirklich dumm (übers Wasser) gelaufen.

21. April: In der Ukraine wird mit Wladimir Selenski ein Schauspieler zum Präsidenten gewählt, dessen einzige Qualifikation darin besteht, im Fernsehen einen Präsident gespielt zu haben. Schade, dass Bruno Ganz nicht mehr lebt! Wir brauchen schließlich auch bald einen neuen Kanzler.

23. April: Der Sultan von Brunei, ein großer islamischer Vorhenker, stellt Homosexualität und Ehebruch unter die Todesstrafe und fordert Toleranz und Respekt für diesen Schritt. Die Homosexuellen können ab sofort ihren Respekt vor der Scharia zeigen, indem sie sterben. Da fällt ihnen vermutlich ein Stein vom – äh, aufs Herz. Der Sultan, ehrenamtlicher Vorsitzender der Giordano-Brunei-Stiftung, setzt sich zudem für die Ehe für alle ein. Genauer gesagt, für die Ehe mit allen. Er selbst besitzt drei Ehefrauen, und es könnten noch mehr werden – wenn er sie nicht aus Versehen steinigt.

18. Mai: „Rezo“ filmt „Die Zerstörung der CDU“. Wieder mal ist Angela Merkel schneller: Sie arbeitet bereits seit 19 Jahren an selbiger.

18. Mai: Die Niederlande gewinnen den Grand Prix Eurovision de la Chanson sur le pont d’Avignon. Das bedeutet, 2020 findet der ESC endlich dort statt, wo er hingehört: in unmittelbarer Nachbarschaft des Internationalen Strafgerichtshofs. Verbrechen gegen die Menschlichkeit ade!

26. Mai: Im Vatikan gründet sich eine Frauenfußballnationalmannschaft. Die Trikots sind wie im gesamten Vatikan Unisex-Frauenkleider.

27. Mai: Ralf Özkara tritt aus der AfD aus. Seine Begründung: „Diese Partei wird von Idioten geleitet.“ Chef seines Landesverbandes Baden-Württemberg war – er selbst. Wenn die AfD wüsste, dass er als Ralf Helble geboren wurde und den Nachnamen seiner türkischen Frau angenommen hatte, wäre er vermutlich sowieso ausgeschlossen worden. Tschö mit Ö!

29. Mai: In (Ver-)Stralsund findet der Homöopathiekongress statt. Das Grußwort für die postfaktische Veranstaltung verfasste Manuela Schwesig, ihres Zeichens mecklenburgische Gute-Medizin-Ministerin. Kann ja mal vorpommern! Mit homöopathischen Dosen kennt sie sich aus, wird sie doch nur fünf Tage später Übergangsvorsitzende einer Kleinstpartei.

29. Mai: Der Londoner Stadtpokal wird in Baku ausgetragen: Chelsea spielt im Finale der Europa League gegen Arsenal. Wenige Tage später stehen Liverpool und Tottenham in Madrid im Finale der Champions League, somit spielen zum ersten Mal in den beiden wichtigsten Fußballwettbewerben ausschließlich englische Mannschaften. Die Briten sind eben nur dann international erfolgreich, wenn es darum geht, aufeinander einzutreten. Der armenische Arsenal-Spieler Henrich Mchitarjan fuhr übrigens nicht mit nach Aserbaidschan, um dort nicht verhaftet zu werden. Beim Madrider Finale konnte so etwas nicht passieren, dort wurde niemand verhaftet. Katalanen waren ja nicht dabei, die wurden bereits im Halbfinale verkloppt.

30. Mai: Dr. Angela Merkel erhält in Harvard die Ehrendoktorwürde. Falls der Gute-Arbeit-Ministerin Franziska Giffey ihr Doktortitel entzogen werden sollte, könnte der Kanzlerin­ ihr einen überzähligen abgeben.

31. Mai: Kim Jong-un (Spitzname: Kim Knopf) lässt den nordkoreanischen Atomunterhändler hinrichten. Dessen Name: Kam Jung-um.

1. Juni: Greta Thunberg kündigt an, aus Protest ein Jahr lang nicht in die Schule zu gehen. Sie spekuliert damit auf den Friedensnobelpreis. Klar, in Physik oder Chemie wird sie auf diese Weise keinen Nobelpreis bekommen.

3. Juni: Nach dem Wiener Kurz-Sturz geht die Übergangsregierung unter Hartwig Löger nach sechs Tagen Übergangszeit in eine weitere Übergangsregierung über: Die neue Übergangskanzlerin Österreichs trägt den schönen Namen Brigitte Bierlein. Die „b’soffene G’schicht“ geht weiter!

7. Juni: Mesut Özil heiratet Recep Tayyip Erdoğan. Dieser lässt die Hochzeit jedoch sofort für ungültig erklären und wiederholen.

15. Juni: In Berlin wird die „Lange Nacht der Religion“ gefeiert. Oder wie Historiker sagen: Mittelalter.

21. Juni: Pissen ist Macht: Beim Unterqueren der Berliner Jannowitzbrücke verletzen sich vier Passagiere eines Ausflugsbootes. Als jemand von der Brücke auf das Boot pinkelt, folgen sie einem Urinstinkt, springen wie aus der Piss-tole geschossen auf und verletzen ihre Köpfe an der Brücke. Der Übeltäter hat sich übrigens nach der Tat verpisst.

26. Juni: Arbeitsminister Hubi Heil stellt den Entwurf zum 14. Buch Sozialgesetzbuch vor. Es ist der direkte Nachfolger des 12. Buches Sozialgesetzbuch. Glückliche-Zahlen-Minister Heil bezeichnet sich als „nicht abergläubisch, aber gläubig“. Daher wolle er Rücksicht auf Dreizehnophobiker nehmen und hatte sich zuvor bei führenden Homöopathen und Franziska Giffey erkundigt, ob statt der 13 wenigstens die 14 moralisch unbedenklich sei. Erst das 18. Buch könne dann wieder problematisch werden (wegen AH = Adolf Hitler), so Heil.

 

 


Tilman Lucke ist zu sehen in: "frisch gepresst. Politcomedy-Late-Night" und in seinem Soloprogramm "Verdummungsverbot".

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