17.09.2019

No. 70

Länderabgaben und Populisten

Gastautor: BENJAMIN EISENBERG

 

Das war eine ereignisreiche Sommerpause. In diesem Sommer ist mehr passiert als in der ganzen letzten Spielzeit. Da kommt man als Kabarettist zurück, und so vieles ist neu: Markus Söder steht kurz vor seinem Parteieintritt bei den Grünen; England wird regiert von einem Mann mit Wischmobfrisur; und Japan züchtet menschliche Organe in Tieren, sozusagen den Menschen im Tier. Das umgekehrte Phänomen, also das Tier im Menschen, das kennen wir schon länger – es arbeitet gerade an seiner zweiten Amtszeit in den USA und möchte Grönland kaufen. Paviane, denen man ein Schweineherz implantiert hatte, sind bereits nach einem halben Jahr gestorben, aber Trump ist der Beweis dafür, dass ein Mensch mit Schweinehirn und Schweinemoral lange überleben kann.
Doch was muss es den Schweinehund gewurmt haben, dass man noch so viel Geld besitzen und doch nicht alles damit kaufen kann. Vor rund 100 Jahren war das ja auch noch anders. 1917 verkaufte Dänemark den USA für 25 Millionen Dollar die Westindischen Inseln (heute Virgin Islands). Wahrscheinlich hat Trump davon gehört und sich gedacht: „Gut gemacht, Jungs, Jungfraueninseln, da hätte ich auch zugegriffen."
Aber was will er mit Grönland? Trotz des Klimawandels ist es dort die meiste Zeit immer noch so kalt, dass er auf dieser Insel selbst für Jungfrauen seinen Trump-Tower nicht aufrichten könnte. Und ein Hochhaus will er dort auch nicht bauen, wie er auf Twitter versprach. Wahrscheinlich hat die ZEIT recht, und Trump möchte nur seine Zielgruppe bedienen, indem er sich „auf Kosten der Kleinen" profiliert.
Gleiches gilt womöglich für Boris Johnson, der schon jede politische Position mal vertrat sowie deren Gegenteil und anscheinend immer nur das tut, von dem er glaubt, dass es gerade bei seiner Zielgruppe ankommt. Nun wird er seinem Spitznamen „The Beast of Brexit" gerecht und hat dem Parlament eine wochenlange Zwangspause verordnet, damit ihm bei der No-Deal-Variante keiner mehr dazwischenfunkt. Eine Blamage für die Demokratie. Aber man sieht einmal mehr, was passiert, wenn Rechtspopulisten regieren.

Umso erschreckender ist es, dass sich die Prognosen für die ostdeutschen Bundesländer bewahrheitet haben und die AfD jeweils rund ein Viertel der Stimmen bekam. Ausgerechnet auch in Brandenburg, wo die Grenzen zur NPD verschwimmen, wurde die Partei zweitstärkste Kraft – mit ihrem (An-)Führer Andreas Kalbitz. Das ist dieser Ultrarechte mit dem Deoroller-Look. Der Kerl ist mehrfach mit Neonazis marschiert, nahm teil an einem Lager der „Heimattreuen Deutschen Jugend", die mittlerweile verboten ist, hatte Hörbücher von Demokratiefeind Ernst Jünger verlegt und vieles mehr. Kurzum: Er hat sich 25 Jahre lang in rechtsextremen Sphären getummelt und sagt auch noch: „Ich stehe zu meiner Vergangenheit [...], ich kann mich ja nicht von mir selbst distanzieren." Nein, natürlich nicht, dann würde ihm ja vielleicht selbst auffallen, dass er einen Schatten hat. Und der ist eindeutig braun. Kalbitz gehört zum „Flügel" und ist unter den rechten Intellektuellen gut vernetzt. Diese arbeiten ganz geschickt an der Unterwanderung der demokratischen Institutionen. Das Prinzip: Mit maximaler Provokation an der Demokratie teilnehmen, um sie nach und nach abzuschaffen. Zitat: „Wir wollen kein Stück vom Kuchen, wir wollen die Bäckerei!"
Man sollte den Infiltrationsspieß einfach umdrehen: der Partei beitreten, sich in den Bundestag wählen lassen, dann als Bundestagsabgeordneter im Namen der AfD eine Pressekonferenz geben und darin fordern: 1. einen Veggie Day; 2. die Umbenennung von Weihnachten in multi-kulturelles Konsumfest und 3. die Abschaffung von Frontex und die Einrichtung eines deutschen Flüchtlingshafens am Ballermann. Und wenn das noch nicht reicht, dann lässt man ein WK-II-Mahnmal errichten – am Grab von Rudolf Heß.
Allerdings darf man bei allem Ärger über das Wahlergebnis in den Ostländern nicht vergessen, dass sich die Mehrheit gegen die AfD entschieden hat. Es gibt also (noch) keinen Grund, Donald Trump Brandenburg und Sachsen anzubieten.

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