30.09.2019

No. 72

Das ABC der "Grünen"

Teil 2: H bis P

Die Grünen werden 40 und regieren inzwischen fast überall mit. Landtagswahlen werden gefeiert, als fielen Weihnachten und Veggie Day auf einen Tag. Özdemir ist allerdings vorerst gescheitert – bei der Fraktionswahl hieß es: Özdemir, ötz’ ick dir! Teil 2 des Versuchs, die Grünen zu verstehen: von H wie Hessen bis P wie Parteitag!

 

Autor: Tilman Lucke

 

H – wie Hessen: Ausgerechnet das Land mit so vielen gescheiterten Regierungsprojekten war das erste Land, in dem Schwarz-Grün eine Wahlperiode lang durchhielt. Holger Börner würde vor Neid seine Dachlatte im Grabe herumdrehen.

I – wie Ikea-Mülleimer: Auf →Parteitagen muss die Rednerliste strikt zwischen Frauen und Männern alternieren. Zu diesem Zweck wirft jeder Redende (also Noch-nicht-Redende, siehe →Geflüchtete) einen Zettel in einen der beiden für Frauen und Männer markierten Ikea-Mülleimer auf dem Podium, aus dem abwechselnd das Rednerpult befüllt wird. Will keine Frau mehr reden, haben auch die Männer zu schweigen. Wie in einer guten Ehe.

J – wie Jamaika: 2017 verstrich die Chance zur Regierung mit CDU, CSU und FDP. Rückblickend war klar, dass es nicht gepasst hätte: drei konservative Parteien – und die CDU! Die vier erinnerten eher an die Bremer Stadtmusikanten: Sie passen zwar nicht zusammen, stehen aber aufeinander. Die nächste Jamaika-Sondierungsrunde ist für die Jahre 2021 bis 2023 geplant.

K – wie Kretsch: Spitzname von Winfried Kretschmann, der so heißt, wie er spricht. Der erste grüne Ministerpräsident schuf in Baden-Württemberg zusammen mit Verkehrsminister Winfried Hermann für die Grünen sogar eine Winne-Winne-Situation. Kretsch tritt 2021 zum dritten Mal als Spitzenkandidat an. The Winne takes it all.

L – wie Lindner: der einzige Vorsitzende der →Jamaika-Sondierungsrunde von 2017, der noch im Amt ist. In den anderen drei Parteien wurden eingewechselt: AKK, Söder und Habeck/Baerbock. Dem Frauenschwarm Robert Habeck könnte es gelingen, die Sunnyboys und Schönlinge der vier Parteien zusammenzutrommeln und doch noch gemeinsam zu regieren: Dann hieße es nicht mehr Regierung, sondern Chippendales. Personalvorschlag: Spahn fürs Kanzleramt, Habeck für Umwelt, Lindner für Finanzen und Andreas Scheuer von der CSU – für die Inklusion.

M – wie Meiwes, Armin: Der Kannibale von Rotenburg (→Hessen) hat die Partei zum Fressen gern und führt im Kasseler Gefängnis die „Knastgruppe Grüne“. Auch wenn der neckische Nekrophile kein offizielles Parteimitglied ist, setzt er sich für den →Veggie Day ein: Donnerstags gibt es nur Veganer. Falls er irgendwann entlassen wird, bewirbt er sich in der Parteizentrale, um die Mitgliederkartei von den Parteileichen zu bereinigen.

N – wie neue Bundesländer: So manches ostdeutsche Grünen-Mitglied (wie Katrin Göring-Kirchentag) hat die Blutgruppe „Jesus positiv“. Vielleicht hilft es, wenn die Grünen im Osten einfach ganz fest daran glauben, dass man mit 8,6 Prozent in Sachsen eine Volkspartei ist.

O – wie Out-of-bed-Frisur: Auch wenn Robert Habeck fast Ost-Friese ist, trägt er keine Ost-Friese. Bei ihm ging die Frisurenverweigerung nicht ganz so schief wie bei Anton Hofreiter oder →Kretsch. Der Tag, an dem das wuschelwilde Waterkantwunder zum nächsten Kanzler gewählt wird, ist zweifelsohne ein Feiertag für die Grünen, wie wenn Weihnachten und →Veggie-Day auf einen Tag fallen! Habemus Habeck! Er ist ein Willy Brandt ohne Zigaretten und Alkohol. Und ohne Frauen. Ach so, und ohne Krawatte. Ohne Nobelpreis. Und ohne Kniefall. Und ohne Frisur. Aber sonst wie Willy Brandt.

P – wie Parteitag: Der offizielle Name „Bundesdelegiertenkonferenz“ (BDK) strömt schon die Langatmigkeit aus, die früher bei Journalisten so gefürchtet war. Das Verdikt von Karl Valentin: „Es ist alles gesagt – nur noch nicht von allen“ war ständiges Motto der Parteitagsregie (→Ikea-Mülleimer), ebenso wie der unvermeidliche strickende Zottelbart an der Nadel. Heute laufen Parteitage weniger langweilig, aber dafür vorhersehbarer. Ausnahme: Bei der BDK im November in Bielefeld steht ein Antrag zur Debatte, Homöopathie nicht mehr von den Krankenkassen bezahlen zu lassen. Ergebnis offen (→Widerspruchslösung).

Nächste Woche: von Q wie Quälen bis Z wie Zwischenruf! Die Erfolgsgeschichte der Grünen geht weiter!

 

 


Tilman Lucke ist zu sehen in: "frisch gepresst. Politcomedy-Late-Night" und in seinen Soloprogrammen  "Verdummungsverbot" und "Lucking zurück".

 

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