14.11.2019

No. 77

Die dicksten Bauern haben die dümmste Ministerin

#Lebensmittelampel

Julia Klöckner schenkt Deutschland die Lebensmittelampel. Um die Industrie nicht zu überfordern, wird sie aber nur auf freiwilliger Basis eingeführt. Eine freiwillige Ampel? Andreas Scheuer gefällt das.

 

Autor: MARTIN VALENSKE

 

 

Die Deutschen werden zwar immer weniger, dafür bleibt aber die Masse der übrig gebliebenen Deutschen konstant. Wir werden nämlich immer dicker und gehören mittlerweile zu den Beleibtesten in Europa. Essen gilt hierzulande eben als Breitensport und um München herum soll es sogar schon einen Speckgürtel geben. Einziger Vorteil: Beim nächsten Überfall auf Frankreich schaffen wir es nur bis zum nächsten belgischen Waffelladen.

Fachleute verweisen an dieser Stelle gerne auf einen zu hohen Konsum von Fett, Salz und vor allem Zucker. Doch jetzt kommt endlich die Entwarnung. Unabhängige Forscher der Firma Nestlé haben herausgefunden: Zucker hebt die Stimmung. Leider nur auf Höhe des Insulinspiegels. Zuckerbedingt leiden in Deutschland ca. 6 Millionen Menschen an Diabetes Typ 2. Das führt hierzulande auch jährlich zu 50.000 Amputationen. Oder wie Nestlé es ausdrückt: Zucker macht einen schlanken Fuß und hilft beim Abnehmen.

Auf ein entschlossenes Eingreifen der Politik darf man leider nicht hoffen, handelt es sich bei der für solche Probleme zuständigen Ministerin doch um Julia Klöckner. Die ehemalige Weinkönigin wurde wegen anhaltender Inkompetenz mittlerweile zum Maskottchen der großen Agrarlobby degradiert. Sie wissen ja, die dicksten Bauern haben die dümmste Ministerin.

Umso erstaunlicher ist es, dass sie nach jahrelangem Widerstand jetzt doch eine Lebensmittelampel eingeführt hat. Mit dieser Ampel können KundenInnen sofort erkennen, wie schnell einen der industrielle Fertigfraß im heimischen Kühlschrank umbringen wird. Produkte, die mit »A« oder »B« gekennzeichnet sind, können noch als Lebensmittel durchgehen, was ein »C« trägt, kann zumindest vom Stoffwechsel verarbeitet werden, Produkte der Kategorie »D« und »E« sollten dagegen ungeöffnet dem Recycling zugeführt werden. Diese Lebensmittelampel zur Kundenaufklärung war also bitter nötig. Bisher setzte man in Deutschland - ähnlich wie bei Zigaretten - auf Schockbilder. Leider hat der Blick in den Spiegel oder auf die Waage niemanden abgeschreckt.

Um die Industrie aber nicht zu überfordern, wurde besagte Lebensmittelampel jetzt aber erst einmal auf freiwilliger Basis für betroffene Unternehmen eingeführt. Eine Ampel auf freiwilliger Basis? Andreas Scheuer gefällt das.

Aber dieses Verhalten ist typisch für Julia Klöckner. Egal ob es um Tierwohl, Lebensmittel oder sonst etwas geht, sie setzt grundsätzlich auf eine »freiwillige Selbstkontrolle« der Industrie. Und da Julia Klöckner freiwillige Selbstkontrollen ernsthaft für eine gute Idee hält, sollte sie im nächsten Kabinett unbedingt Justizministerin werden. Dann sehen ihre Pressekonferenzen nämlich in Zukunft so aus:

»Halli, Hallo, Hallöle. Ich habe mich heute mit unabhängigen Experten aus den Bereichen Organisierte Kriminalität, Gewaltverbrechen und Wirtschaftskriminalität getroffen; für die vertrauensvolle Zusammenarbeit bedanke ich mich ganz herzlich bei der Russischen Mafia, den Hells Angels und natürlich der Deutschen Bank. Wir konnten uns auf eine umfassende Reform des Straf- und Zivilrechts einigen. In Deutschland gilt jetzt das Prinzip der »freiwilligen Selbstkontrolle«. Polizei und Staatsanwaltschaft werden daher mit sofortiger Wirkung abgeschafft! So, und jetzt brat ich mir ‘ne lila Kuh und trink ‘ne Flasche trockenen Fießling. Stößchen.«

 

 


Martin Valenske ist zu sehen in: "Ruwe & Valenske: Unfreiwillig komisch" und  "Ruwe & Valenske: Wir haben genug".

 

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