06.12.2019

No. 81

2019 – der gereimte Jahresrückblick

12 Monate Wahnsinn

Zum ersten Mal wurde ein Schwarzes Loch fotografiert – im Dachstuhl einer Pariser Kirche. Flugscham führt zum Aus von „Thomas Cook", vor Selenski zittert nicht nur Trump, sondern auch Merkel, und die SPD gibt sich nicht kafka-, sondern saskiaesk. Weitere Erkenntnisse aus zwölf Monaten Wahnsinn im Schnelldurchlauf.

Autor: Tilman Lucke

 

 

 

Zweitausendneunzehn haben wir nun überstanden,
doch wir sind mutig, und wir sehn noch mal zurück:
Da kam die Würde manches Mal sehr schnell abhanden.
Mal hat man Pech, und mal ham andre einfach Glück.
Die schlechte Luft lässt sich mit Studien übertünchen:
Im Januar verschrieben Lungenärzte Smog.
Ein Markus Söder machte sich zum Horst in München,
und eine Werft verwarf die Rettung der Gorch Fock.

Es hätten Trump und Kim sich bei dem Rendezvous im Februar
beim Umarmen gegenseitig fast erdrückt.
AKK tat mit Niveau
'nen tiefen Griff ins Genderklo,
und Kalle Lagerfeld ist jetzt auch echt entrückt.

Monsanto muss im März 'ne hohe Strafe zahlen,
ein paar Minister stranden flügellahm im Tschad,
und Recep Erdoğans Gehilfen türken Wahlen,
und auch der Brexit findet wieder mal nicht statt.
Von 'nem korrupten DFB-Chef wird berichtet,
der im April vom Amt zurücktrat – glauben Sie's?
Zum ersten Male wurd' ein Schwarzes Loch gesichtet,
und zwar im Dachstuhl einer Kirche in Paris.

Im Monat Mai trat dessen Namensgeberin vom Amt zurück
und auf Ibiza ein Bazi ebenfalls.
Wer sein Abi will, muss rechnen,
und die Krampe hat das Pech, 'nen
großen Shitstorm nicht zu riechen, deshalb knallt's.

Maskottchen Klöckner ließ sich gern von Nestlé twittern,
seit Mitte Juni ist die Maut ein Fall fürs Klo.
Frau Merkel fing vor Herrn Selenski an zu zittern,
und Donald Trump ging's wenig später ebenso.
Im Juli forderten die Hohenzollernbonzen
ein Schloss zurück, und in Berlin wurd' keines frei,
die Queen ernannte 'ne Blondine namens Johnson,
da sprang in Brüssel plötzlich Ursel aus dem Ei.

Trump hätte im August die ganze Insel Grönland fast gekauft,
dank des Klimawandels schien das lukrativ.
China macht mit kleinen Panda-
babys gerne Propaganda,
und Salvinis Plan zur Neuwahl ging wohl schief.

Die „Thomas Cook" fliegt seit September nicht mehr täglich –
dank Greta Thunberg liegt die Flugscham jetzt im Trend.
Und Sachsens Sozis sind nach unten sehr beweglich,
doch Sigmund Jähn ist nun im Himmel permanent.
Oktober war kein guter Monat für Herrn Bakr,
und auch der Brexit kam noch immer nicht ins Gleis.
Der arme Altmaier fiel runter, und da lag er,
und Peter Handke bleibt ein Arschloch auch mit Preis.

Im Mond November schoss der Rechtsausschuss den rechten Ausschuss ab,
während man in Dresden Edelsteine stahl.
Sozen wählten Saskia Esken,
in Venedig leiden Fresken,
auch in PISA ist Land unter wieder mal.

Wir schauen heute auf ein Jahr zurück im Wandel,
zweitausendneunzehn steckte voller Abs und Aufs,
mit freien Ländern, freier Fahrt und freiem Handel
und freiem Fall im Falle manchen Lebenslaufs.
Man kann wohl über zwanzig-neunzehn sicher sagen:
Das Jahr ist wie fast alle Vorgänger gefloppt,
drum lasst mich heute auch noch die Prognose wagen:
Zweitausendzwanzig wird genauso schön bekloppt!

 

 


Tilman Lucke ist zu sehen in: "frisch gepresst. Politcomedy-Late-Night" und in seinen Soloprogrammen  "Verdummungsverbot" und "Lucking zurück".

 

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