65 Jahre DISTEL

- ein Kabarett in Aufbruchsstimmung!


2. Oktober 1953 feierte die DISTEL ihre erste Premiere "Hurra, Humor ist eingeplant".


Da der Politik-Irrwitz das Kabarett nie alt aussehen lässt, hat die DISTEL eine große Zukunft. Zeitkritisches Kabarett wird gebraucht – mehr denn je. Gute Gründe, nach vorn zu schauen!


 

65 Jahre Stachelwuchs

Scharfe Politik-Satire ist das Metier der DISTEL, Ironie ihr Wegbegleiter.


Witzigster Widersinn prägte bereits die Gründung des Kabaretts. Wo gab es das schon, dass sich ausgerechnet ein diktatorischer Staat seine eigene Satireanstalt einrichtete und sie bis zu seinem Ende finanzierte? Als der Berliner Magistrat am 2. Oktober 1953 die DISTEL mit ihrer ersten Premiere eröffnete, trieb er sich sogleich einen Stachel ins eigene Fleisch. Beauftragt, vor allem Waffe im Klassenkampf gegen den Westen zu sein, stichelten die Künstler gleich im ersten Programm zum Ärger der Obrigkeit frech ins Innere, in dem sie allein schon im Programmtitel jubelten, „Hurra, Humor ist eingeplant“. Einer der Gründe, weshalb das dienstälteste DDR-Berufs-Kabarett auch in seinen ersten sechsunddreißig Jahren nie zum Mauerblümchen verkümmerte. Ganz im Gegenteil.
Als ein Unkraut, das nie vergeht, bohrte sich die DISTEL auch ab 1989 widerborstig „Mit dem Kopf durch die Wende“. Ironisch nur, dass für das Kabarett mit dem Ende von Zensur und Bevormundung nun als Privattheater ganz andere Zwänge beginnen. Die Abendkasse kann humorloser als jeder Zensor sein!
 
Doch welch spaßiger Seitenhieb der Satire, dass ausgerechnet sie vermag, was Politik bei der Wiedervereinigung lange nicht gelang. In der DISTEL lachen Ost- und Westdeutsche gemeinsam und einvernehmlich – jeweils über den anderen, aber zugleich über sich selbst.
Und so schießt die DISTEL bis heute knospenreich ins Kraut – egal welchem gesamtdeutschen Un- oder  Tauwetter beziehungsweise welcher politischen Hitzewelle sie ausgesetzt ist. Mit unbestechlichem Scharfsinn karikiert sie in den Nachwendejahren als typisch ostdeutsche Pflanze die „Bombenstimmung“ der Wiedervereinigung. Erstarkt zum gesamtdeutschen Gewächs seziert die DISTEL die „Kampfzone Bundestag“ in der „Blonden Republik Deutschland“. Dass Merkel „Zirkus Angela“ zur Stilistik ihrer Kanzlerinnenschaft macht, beweist die Stichhaltigkeit des DISTEL-Wuchses. Während dieser „Schicksalsjahre einer Kanzlerin“ fragen wir deshalb konsequent „Wohin mit Mutti?“
Für Spott verantwortlich zu sein, macht Spaß und ist zugleich eine ernst zu nehmende Sache. Mit viel Leidenschaft und großem Können engagierten und engagieren sich an der DISTEL Autoren, Schauspieler und Regisseure wie Erich Brehm, Robert Trösch, Hans Krause, Hans Rascher, Heinz Draehn, Gerd E. Schäfer, Ellen Tiedtke, Wolfgang E. Struck, Klaus Piontek Otto Stark, Edgar Külow, Peter Ensikat, Inge Ristock, Harry Fiebig, Bernd Wefelmeyer, Gisela Oechelhaeuser, Dietmar Jacobs, Christian Ehring, Michael Frowin, Jens Neutag, Frank Lüdecke, Martin Maier-Bode, Thomas Lienenlüke, Philipp Schaller. In den Programmen finden sich auch Texte oder Lieder von Paul Dessau, Hanns Eisler, Erich Loest, Heinz Kahlau, Gisela Steineckert, Jurek Becker, Kurt Bartsch und Günter Kunert. Auf der Bühne sah man Gäste wie Herbert Köfer, Ursula Werner, Christine Harbort, Maria Mallé,  Wolf Biermann und Wolfgang Bahro.

„In Anlehnung an Wolfgang Neuss ‚Heut`mach ich mir kein Abendbrot, heut`mach ich mir Gedanken.‘ wird die DISTEL Abend für Abend auch weiterhin Politik fokussieren, sezieren, kommentieren & mit einem gehörigen Schuss Satire und Ironie versehen; nie platt und gefällig, aber immer kurzweilig und vergnüglich.“  Astrid Brenk, Geschäftsführerin der DISTEL.

 

Der Irrwitz in Politik und Gesellschaft lässt das Kabarett zu keiner Zeit alt aussehen


In ihren bisher 149 Programme hat sich die DISTEL der jeweiligen Zeit gemäß immer wieder neu erfunden. Jede Produktion ist eine komplette Neuschöpfung; ein kreativer Prozess – von der Idee, dem Titel, über das Entwickeln des Plots, einer Vielzahl von Szenen und Songs bis hin zur fertigen Bühnenproduktion.

Bei etwa 350 eigenen Bühnen-Vorstellungen im Jahr und 60 - 80 auswärtigen Gastspielen pro Spielzeit brachte die DISTEL bisher über 6 Millionen Gäste zum Lachen.  Kabarett ist Theater fürs Volk – das Publikum der DISTEL setzt sich aus allen gesellschaftlichen Schichten der Bevölkerung zusammen.

Kabarett spielt mit dem Erfahrungshorizont seiner Gäste. Die mit der Globalisierung komplexer gewordenen politischen Probleme kann der einzelne kaum noch komplett durchschauen. Ein eher moralisierendes Kabarett hat sich überholt und würde ohnehin nur die erreichen, die diese Standpunkte schon teilen. Anstatt Antworten zu geben, kann Kabarett wohl eher Fragen stellen und mit der Unsicherheit und den verschiedenen Ansichten der Besucherinnen und Besucher spielen.

Tagesaktuelle politische Satire entspricht dem Zeitgeist, auch wenn die häufig nahezu skurrile politische Realität scheinbar kaum noch kabarettistisch überhöht werden kann. „Im Kabarett sollte sich das Publikum von politischer Frustration freilachen können. Da aber Satire dort anfängt, wo der Spaß aufhört, fühlt sich die DISTEL einem gut recherchierten, investigativen Kabarett verpflichtet und möchte mit ihren Programmen durchaus konfrontieren, differenzieren und zu konstruktiver Veränderung von Gedanken- und Handlungsspielräumen anregen.“ Dominik Paetzholdt, Künstlerischer Leiter der DISTEL Das Kabarett-Theater DISTEL ist das größte Ensemble-Kabarett Deutschlands. Das Haus arbeitet seit 1991 ohne Zuschüsse und Subventionen. Mit seiner Hauptspielstätte der Bühne (422 Plätze) und der kleinen Spielstätte, dem Studio (80 Plätze), verfügt das Theater über sehr gute Voraussetzungen, politisches Kabarett in allen Facetten zu zeigen, und dies an nahezu 365 Tagen im Jahr.

Das Ensemble von festen und gastierenden Künstlerinnen und Künstlern zeigt auf der Bühne von Montag bis Samstag im Wechsel vier bis sechs Programme des aktuellen DISTEL-Repertoires, das mit jährlich zwei bis drei Premieren erneuert wird.

Auch im 2012 eröffneten Studio werden Eigen- und Co-Produktionen der DISTEL vorgestellt; mit dem Jungen Kabarett wird hier dem Nachwuchs ein Podium geboten. Außerdem stehen Gastspiele verschiedenster Kabarettistinnen und Kabarettisten sowie Ensembles auf dem Spielplan - auf der großen Bühne immer sonntags, im Studio an verschiedenen Wochentagen.   

Ein reger Tourneebetrieb sorgt für Präsenz in zirka 180 deutschen und ausländischen Gastspielorten (Schweiz, Österreich, Einzelgastspiele auch in England, Frankreich, Namibia, Ungarn und in den USA).

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