05.07.2018

Bayern, Bayern über alles! Wenn die kleine Schwester nervt

Folge 15 | Merkel-Kabinett im Faktencheck 05

Wie geht es weiter mit der CSU? Seehofer bleibt der Jo Gerner unter den Ministern, der Dauerbösewicht mit der Schnappatmung, der „einatmige Bandit“. Er ist unverzichtbar, nicht nur fürs Kabarett. Denn wer sollte es sonst machen? Die möglichen und unmöglichen Seehofer-Erben im Schnellcheck.

Autor: TILMAN LUCKE

Deutschland ist wieder mal gerettet: Die zwei großen Konfessionen des Christentums – CDU und CSU – bekamen in letzter Sekunde Schiss vor dem Schisma und bliesen ihre Spaltung ab. Politikjunkie Seehofer feierte die Woche seines Lebens, blieb aber dann doch ganz normal im Amt, zumindest bis zum nächsten Fake-Rücktritt. Genauso gut können Sie Ihr Haus anzünden und hinterher sagen: Ach ja, im zweiten Stock wohne ich noch ein paar Jahre. Seehofer ist 69 Jahre alt und damit noch lange kein Alt-68er, aber ein Sponti war er immer schon. Heute hü, morgen Hotte! Und wie wusste schon Edmund Ä. Stoiber: „Man soll das Fell des Problembären nicht verteilen, bevor er erlegt ist.“

Merken Sie sich im Kalender den 27. Juli vor: An diesem Tag endet die Anmeldefrist für Parteien bei der bayerischen Landtagswahl. Falls die CDU also nicht bis dann einen neuen Landesverband in Bayern gründet, dürfte sie nicht mitmachen. Heißt im Klartext: Es gibt einen neuen Termin für Seehofers nächste Eskalation in der Intrigen-Soap.

Spätestens seit dieser Woche wissen wir: Seehofer ist der Jo Gerner unter den Ministern, der sympathische Dauerbösewicht, der Quote bringt (wenn auch keine Frauenquote). Und: Wer bleibt, ist erfolgreich. (Fragen Sie Jogi Löw!) Mal ehrlich: Wen hätte die bayerische Promilleansammlung namens CSU im Fall von Seehofers Abgang überhaupt noch zu bieten gehabt? Übrig bliebe ein einziger Planet der Lackaffen:

Markus Söder? – Ein Fundamentalist mit migrantischem Aussehen und türkischem Namen, der nach der Landtagswahl seine Karriere an denselben Nagel hängen sollte wie seine Kreuze.

Alexander Dobrindt? – Der Deutsche Meister im Bullshit-Bingo ist immerhin gut gekleidet und trägt stets großkarierte Anzüge. Wenigstens ein flächendeckendes Netz! Ansonsten ist er eher kleinkariert, ein sogenannter Dobrindtenkacker. Ein heißer Favorit auf Seehofers Nachfolge als Parteichef. Als Ex-Verkehrsminister wäre die CSU nicht das erste, was er an die Wand fährt.

Gerda Hasselfeldt? – Dobrindts Vorgängerin in der CSU-Landesgruppe ist längst zum Roten Kreuz gewechselt. Beim nächsten Unionszoff ist sie für Verbandszeug und Blutkonserven zuständig.

Huber und Beckstein? – Die Lehman Brothers der CSU vergeigten bereits 2008 die Landtagswahl. Nach Bayern passen beide gut, denn der eine redet so besoffen, wie der andere aussieht. Googeln Sie die mal.

Guttenberg? – Der Schummelschnösel musste sich sein Ministeramt in die Haare schmieren, und drei seiner zehn Vornamen wurden ihm inzwischen aberkannt. Er hat mittlerweile mehr Comebacks angekündigt als die Puhdys. Da Politik aber Arbeit bedeutet, ist eine Rückkehr von Dr. No unwahrscheinlich.

Markus Blume? – Wenn es ihn nicht gäbe, wäre er beliebt. Als CSU-Generalsekretär steht er in einer Reihe mit Geistesgrößen wie Stoiber, Wiesheu, Huber, Söder, Haderthauer, Guttenberg, Dobrindt und Scheuer: Dieses Niveau zu halten, ist eine Leistung. Gegner der Kreuzpflicht in Behörden nannte er schon mal „Feinde Gottes“. Das passt: Auch schon bei „Bambi“ hieß das Stinktier Blume.

Dorothee Bär? – Wartet noch auf ihr Flugtaxi und kommt dann nach.

Gerd Müller? – Als Entwicklungshilfeminister ist er immerhin zuständig für „Good Governance“, leider nur im Ausland. In München und Berlin wäre Nachhilfe in guter Regierungsführung weitaus sinnvoller. Müller, übernehmen Sie!

 

Tilman Lucke ist zu sehen in: "frisch gepresst. Politcomedy-Late-Night" und in seinem Soloprogramm "Verdummungsverbot".

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