06.12.2018

Der neoliberale Justin Bieber auf LSD

Folge 35

"Bei den aktuellen Pegelständen deutscher Flüsse kann selbst ein Christian Lindner übers Wasser laufen. Kein Grund ihn als den neuen Messias zu verehren." #Wasserpredigen #Elitepartner #Liberalundsexy #Teamlinder #CL #Tindermatch

 

Autor: HENNING RUWE

„Ist Deutschland bereit für einen Mann als Kanzlerin?“ So titelte neulich eine große deutsche Tageszeitung. Eine berechtige Frage. Zunächst ist es natürlich schön, dass in Deutschland wirklich niemand durchs Raster fällt. Nirgendwo sonst auf der Welt ist eine Lebensform denkbar wie etwa Alexander Dobrindt. Doch wenn ein Jens Spahn mit der Eleganz eines bulgarischen Bierkutschers wirklich jedes Fettnäpfchen mitnimmt und wir uns bei Ralf Stegner fragen müssen, wie viele Evolutionsstufen der eigentlich ausgelassen hat, möchte der deutsche Wähler schon ganz gerne wissen: Geht das auch anders? Ist Mittelmaß ein Naturgesetz für deutsche Politiker?

„Selbstverständlich nicht“, - meint Christian Lindner, der neoliberale Justin Bieber auf LSD – und denkt dabei natürlich wie immer an sich selbst. Christian Lindner ist der Gegenentwurf zur verstaubten Politikerkaste von schwarz-rot, er ist gebildet, smart und wunderschön und dabei völlig losgelöst von gesellschaftlichen Zwängen wie Moral, Haltung oder Anstand. Ihm ist das große Kunststück gelungen seine schon abgeschriebene Partei aus dem Stand heraus mit über 10% zurück in den Bundestag zu wuchten. Den stolzen Titel „Trümmerfrau der FDP“ hat sich Christian Lindner in den letzten Jahren redlich verdient. Er hat die Partei klug erneuert, ihr einen modernen Anstrich verpasst und einen perfekt auf ihn zugeschnitten Wahlkampf geführt. Mit feschen Schwarz-Weiß-Bildern, markigen Sprüchen wie „Digital First, Bedenken Second“ und dem Ausruf „Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren“ konnte er bei seinen Anhängern mehr Punkte sammeln als ein Kind Berliner Impfgegner in der Masernzeit. Dabei ist es durchaus aufschlussreich zu schauen, wer ihn unterstützt und vor allem, warum er das tut. Am besten schneidet er nämlich in der Gruppe der reichen Männer ab 50 ab und das mit der Begründung, dass diese Gruppe älterer Herren glaubt, Christian Lindner verkörpere den modernen, jungen und erfolgreichen Lifestyle. Christian Lindner punktet also damit, dass andere Menschen glauben, er sei nach heutigen Maßstäben cool. Selbige Studie fand übrigens auch heraus, dass Anhänger der Grünen die größten Klimasünder seien und der handelsübliche FDP-Wähler signifikant häufiger fremdgeht. Der männliche Begriff des Wählers ist hier übrigens kein Zufall, denn welche Frau soll schon die FDP gewählt? Ist schließlich die Partei der Besserverdiener.

Zurück zu Christian Lindner: Er passt perfekt in das Zeitalter der Selbstdarstellung, er twittert schneller als sein Schatten und wird von seinen Anhängern als eine Art Messias verehrt, wobei anders als bei anderen christlichen Messiassen kannste den ja auf nichts festnageln. Er gehört zum dem Typ Mensch, der sich nach drei Rhetorikkursen damit rühmt, zu jedem Thema sprechen zu können. Und das macht er in jeder deutschen Talkshow. Der Inhalt ist zweitrangig, egal ob Migration, Wirtschaft oder soziale Gerechtigkeit, der gelernte Cabriofahrer Lindner weiß natürlich aus eigener Erfahrung, wie hart es ist, kein Dach über dem Kopf zu haben. Er ist der Kumpeltyp, der sagt: Ey, du kannst mit mir über alles reden. Er dominiert Talkshows mit toller Rhetorik, feinem Witz und in diversen Bereichen mit einer erstaunlichen Ahnungslosigkeit. Und auch wenn wir uns bei Christian Lindner an den großzügigen Umgang mit der Wahrheit mittlerweile gewöhnt haben, den Beweis politisches Format zu besitzen, muss er noch antreten. Schon Heidi Klum stellte passend fest: Nur schön sein reicht eben nicht.

 

 

Henning Ruwe ist zusammen mit Martin Valenske in "Wir haben genug" und in "Zwei Päpste für ein Halleluja" zu sehen.

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