15.06.2018

Russland - ein Sommerbärchen

Folge 12

Zar Fußball regiert die Welt! Ball und Rubel rollen um die Wette, und Wladimir Putin, der Li-La-Launebär der Fi-Fa-Fußballweltmeisterschaft, hat alles fest im Griff: Der russische Strafraum in Sibirien ist dicht, und die Funktionäre funktionieren wie geschmiert. Doch wie kam es zur WM-Vergabe an den Kreml?

Autor: TILMAN LUCKE & MARTIN VALENSKE

Die Schweiz lebt bekanntlich von den drei großen Wirtschaftszweigen FIFA, IOC und Nazi-Gold. Auch wenn es etwas seltsam anmutet, dass ausgerechnet das langsamste Land der Welt vom Sport lebt: Der Grund ist, dass die FIFA in der Schweiz als gemeinnützig gilt und dort kaum Steuern zahlen muss. (Anmerkung: Ob nun das IOC oder die FIFA korrupter ist, entzieht sich unserer Kenntnis wie auch der Justiz. Würde man sich auf unentschieden einigen, wäre wenigstens das ein sportliches und faires Ergebnis.)

2010 bewarben sich neben Russland noch drei anderen Länder für die WM in diesem Jahr: England, Spanien und Holland. Die Niederländer waren natürlich sofort raus, die haben ja mit Fußball noch weniger zu tun als Katar. Die anderen beiden untergegangenen Seemächte wurden ausgebootet, denn die Russen haben in der Schweiz natürlich Heimvorteil. Die kennen die besten Laufwege für die Geldübergabe. Denn im Gegensatz zu den Spielern landet Geld bekanntlich gern mal auf der Ersatzbank.

Die Vergabe des Turniers in vier Jahren – also, in viereinhalb Jahren, frohes Fest! – hat die FIFA so richtig in den Sand gesetzt, und zwar nach Katar. Das ist bekanntlich ein lupenreiner Polizeistaat. Heißt ja: Emir und die Detektive. Da werden der FIFA-Ethikkommission wohl beide Augen zugedrückt werden müssen. Vielleicht hat Katar bis 2022 sogar genug Einwohner, um eine Fußballmannschaft zu bilden. Wenn nicht, verpflichten sie halt Sklaven oder kaufen sich eine Mannschaft. In Hamburg ist zurzeit eine ganze Mannschaft billig abzugeben. Die spielt halt leider keinen Fußball.

Wenn das so weitergeht, kann die WM bald nur noch in Diktaturen stattfinden. Was kommt als nächstes? Geht die WM 2026 nach Nordkorea? – Nein, noch schlimmer: in die USA. Donald Trump hat nämlich die größere rote Karte! Auch für die Europameisterschaft 2024 sieht es nicht besser aus: Entweder bietet Deutschland mehr oder die Türkei. Özil und Gündoğan spielen also auf jeden Fall daheim.

Unserer Merkspruch für das Finale am 15. Juli: Beim Fußball jagen 22 Männer 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnt immer die FIFA.

 

Tilman Lucke & Martin Valenske sind gemeinsam zu sehen in: "frisch gepresst. Politcomedy-Late-Night", "Zwei Päpste für ein Halleluja"; Tilman Lucke in seinem Soloprogramm "Verdummungsverbot" und Martin Valenske außerdem in "Wir haben genug".

 

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