11.07.2018

Barbarei welcome!

Folge 16

Die Seenotretter sitzen fest, Heimathorst setzt auf AfD-Politik & Merkel sitzt alles aus. Nur die europäischen Werte bewegen sich. Leider in Richtung Barbarei. Der Untergang des Abendlandes kann kommen. 

Autor: MARTIN VALENSKE

Was hat man sich in Europa aufgeregt: Die USA trennen Flüchtlingsfamilien bei der Einreise und stecken Kinder massenhaft in Lager! Unerhört. Und jetzt kommt es noch dicker: Von diesen einkasernierten Kindern ist bisher KEIN EINZIGES ertrunken!

Das kann man von denjenigen, die versuchen, Europa zu erreichen, eher nicht behaupten. Deswegen ist man in den USA auch neidisch auf Europa. Wir brauchen keine hohen Mauern, das widerspricht unseren hohen moralischen Werten. Wir nutzen das Mittelmeer und setzen nachhaltig und ökologisch korrekt natürliche Ressourcen zur Flüchtlingsabwehr ein. Und damit nicht genug, wir recyceln auch wie die Verrückten. So werden etwa die Ertrunkenen von Fischen gefressen, die dann massenhaft aus dem Meer geangelt bei uns auf dem Teller landen. So schmeckt Integration auch der AfD!

Damit das auch so bleibt, behindert und kriminalisiert man die privaten Seenotretter von »Sea-Watch«, »Ärzte ohne Grenzen«, »
Proactiva Open Arms« usw. mittlerweile immer stärker in ihrer Arbeit. Italien lässt sie nicht in seine Häfen, Malta setzt Schiffe und Suchflugzeuge fest und Seehofer – immerhin Experte in Sachen Grenzverletzungen aller Art – fordert im Innenausschuss des Bundestages, das deutsche Rettungsschiff »Lifeline« zu beschlagnahmen und die Besatzung strafrechtlich zu verfolgen. Viele sehen in dieser Politik einen gewaltigen Schritt Richtung Barbarei. Doch ist dieser starke Vorwurf gerechtfertigt?

Urspr
ünglich bezeichnet der Begriff Barbar im Altgriechischen wie im Sanskrit Fremdlinge, die die Landessprache nicht sprechen und nur rumstammeln. Auch etymologisch ist es also korrekt, Seehofer und Co. als Barbaren zu bezeichnen.

Der Vorwurf, Seenotretter würden indirekt mit Schleppern zusammenarbeiten und Menschen erst zu ihrer gefährlichen Flucht animieren, ist wissenschaftlich übrigens nicht haltbar. Ohne Seenotrettung sterben einfach nur mehr von ihnen. Ebenso ist die Behinderung von Seenotrettern laut wissenschaftlichem Dienst des Bundestages illegal. Aber mit Fakten lässt sich die »Deutungshoheit über den Stammtischen« nicht gewinnen, und da Flüchtlinge bei bayerischen Landtagswahlen ihre Stimme sowieso nicht abgeben können, müssen sie halt schon im Mittelmeer verstummen.

Statt sich nun moralisch über die aktuelle Politik zu empören, kann man der Kriminalisierung von Seenotrettung durch Heimathorst aber auch etwas Positives abgewinnen. Man muss seine Worte nur richtig interpretieren. Stellen Sie sich vor, Sie fahren auf der Autobahn. Hinter Ihnen kommt einer von der CSU und versucht, alkoholisiert und mit überhöhter Geschwindigkeit rechts zu überholen. Wenn der jetzt im Graben landet, gilt ab sofort die Devise: Weiterfahren! Ihm helfen w
ürde ihn nur ermutigen, in Zukunft wieder Unfälle zu bauen und sich erneut in Gefahr zu bringen. Wenn man hilft, dann kommen auch nur noch mehr Raser, wo bleibt denn da die Abschreckung, wo der Lerneffekt? Nicht zu Helfen erhöht die Sicherheit und hilft im Endeffekt auch den Rasern, selbst wenn der ein oder andere dabei auf der Strecke bleibt. Soll sich doch die syrische „Küstenwache“ (in unserem Beispiel: Ein Rudel Wölfe) um den Raser kümmern. Dann doch lieber ein Gnadenschuß.

Das ist die aktuelle Politik der »Wertegemeinschaft Europa«, für deren Kontinuität das Erfolgsduo Seehofer und Merkel steht, das sich überraschenderweise doch wieder zusammengerauft hat. Im letzten Interview bekräftigte Vollhorst zu Seehofer sogar noch einmal von Herzen: »Niemand hat die Absicht, eine Kanzlerin zu stürzen.« Als kleine Wiedergutmachung für den vielen Stress der letzten Wochen hat Seehofer Frau Merkel sogar
passend zur Sommerpause – eine Urlaubsreise spendiert: Zwei Wochen Thailand inklusive ausgedehnter Höhlenwanderung!

 

Martin Valenske ist zu sehen in: "frisch gepresst. Politcomedy-Late-Night" und in "Wir haben genug".

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