26.07.2018

Wenn einer eine Reise tut, dann hat er was zu twittern

Folge 17

Einen Reiseführer für Donald Trump zu schreiben, wäre ungefähr so sinnvoll, als würde Horst Seehofer ein Freundebuch anlegen: Der US-Präsident ist an jedem seiner Reiseziele die Hauptattraktion. Demzufolge gefiel es ihm überall „great“, als er Mitte Juli quer durch den Porzellanladen namens Erde reiste, als Diktatorendetektor auf ausgewählte, aber nicht gewählte Staatschefs traf und ganz nebenbei auf Twitter die Weltmeisterschaft im Bullshit-Bingo gewann. Trumps Reisediplomatie im Schnellcheck

Autor: TILMAN LUCKE

Seit anderthalb Jahren ist Donald Trump nun in Amt und... also, in Amt. 2017 wurden der Wahnsinn zur Staatsform und die Dummheit zur Staatsreligion erklärt. Auch der kleine lateinische Spruch auf den Geldscheinen wurde stillschweigend geändert und lautet nun: „Per Asperger ad astra“. Alles Jammern nützt nichts: Acht Jahre nach dem ersten schwarzen Präsidenten ist nun der erste orangene Präsident im Amt. Heißt ja: „Orange is the new black.“ Und das zeigt uns: In Amerika hat wirklich jede Hautfarbe eine Chance!

Wir dürfen uns auf seinen ersten Staatsbesuch in Tibet freuen, das wäre gewiss seine diplomatische Kragenweite. Wenn er sich dann allerdings dort in ein orangenes Mönchsgewand wirft, werden die Leute denken, er sei nackt. Dann wird er am Ende noch bespuckt – von den ganzen Lamas.

Kaum ein Land wurde noch nicht von Trump beleidigt, und wenn es nur ein beiläufiges Wegschieben (laut amerikanischer Verfassung ein „aufschiebendes Veto“) war, wie es zum Beispiel der Präsident von Montenegro auf dem NATO-Gipfel erfahren musste. Trump hatte einfach nur „Negro“ verstanden und dachte: Der muss abgeschoben werden.

Deutschland sei ein Gefangener Russlands, hatte Donald Trump Anfang Juli gesagt. Und unser Land deshalb kurz danach beim Treffen mit Putin netterweise befreit. Thanks! Das Treffen mit dem zu kurz gekommenen Anführer der unfreien Welt in Helsinki soll sehr harmonisch abgelaufen sein: Die Puffrechnung für den Abend wurde per Armdrücken entschieden und die Beweisfotos gegen die Krim eingetauscht. Aber das sind alles Fake News. Jedenfalls kann Putin gegenüber der westlichen Welt feixen: Den Geist, den ich rief, werdet ihr so schnell nicht wieder los!

Wie schon auf seinen früheren Reisen hatte Trump Freund und Feind auf ein und derselben Tour besucht – auch wenn nicht klar war, wer als Freund und wer als Feind betrachtet wird. Als Diktatorendetektor arbeitet Trump noch zuverlässiger als Özil und Gündoğan mit der Selfie-Methode: Staatsoberhäupter mit zweifelhafter demokratischer Legitimation kann man daran erkennen, dass Trump sich mit ihnen anfreundet. Einzige Ausnahme: Die Queen kam bei ihm schlecht weg.

Von Trumps Gipfel mit Kim Jong-un im Juni ist nicht viel übrig geblieben außer einem Foto, das inzwischen als Filmplakat zu „Kim Knopf und Donald der Alternativführer“ dient. Die beiden waren unzertrennlich wie sonst nicht einmal ein Atom. Kim hatte sich ja kurz vorher schon zur Vorbereitung mit seinem südkoreanischen Pendant zu einem Jae-in getroffen, und Mitte Juni begingen die beiden schlechtesten Frisuren der Weltgeschichte gemeinsam den Bad Hair Day – samt feierlichem Tausch der Atomkoffer.

Der Gipfel von Kim und Struppi fand übrigens in Singapur statt, denn nach Nordkorea wollte Trump trotz der neuen Freundschaft nicht direkt reisen: Im letzten Jahr hatte ihn Kim nämlich persönlich zum Tode verurteilt. Und es will ja keiner, dass es Trump so geht wie dem berühmten nordkoreanischen Dissidenten Kam Jung-um.

 

Tilman Lucke ist zu sehen in: "frisch gepresst. Politcomedy-Late-Night" und in "Verdummungsverbot".

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