Ruth Altmann – Schöpferin des DISTEL-Schriftzugs

Wolfgang Mattheuer – Mentor des Entwicklungsprozesses

1956: Inspiriert durch einen DISTEL-Besuch, probierte sich die Grafik-Studentin Ruth Altmann an einem passenden Schriftzug für das Kabarett. Ihr Dozent Wolfgang Mattheuer, der später weltweit bekannte Maler der Leipziger Schule, betreute die Arbeiten der Studentin. Aus ihren Entwürfen sollte sich das so bekannte DISTEL-Logo entwickeln!

 

 Ruth Altmann in den 50er Jahren

Wie Ruth Altmann den markanten DISTEL-Schriftzug entwickelte

Ruth Altmann (geboren 21. November 1930 in Pötzscha-Wehlen/ Sächsische Schweiz) war Anfang der 50er Jahre Studentin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Nach der Ausbildung als grafische Zeichnerin bei der DEWAG, dem Werbeunternehmen der DDR, wurde sie zum 5-jährigen Studium an die Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst zu Professor Albert Kapr und Dozent Wolfgang Mattheuer delegiert.

Im Zentrum der Ausbildung stand die Schriftgestaltung: Studium und Kopieren der alten Schriften, Entwickeln neuer Schriften. Dabei kamen neben den gebräuchlichen Redis- und Ato-Schriftfedern auch selbstgeschnitzte Gänsekiele sowie Bambusrohr zur Anwendung und Übung. Die Themen konnten die Studierenden frei wählen, nur Form und Inhalt mussten aussagekräftig übereinstimmen.

Als die Seminargruppe von Ruth Altmann zu dieser Zeit eine Vorstellung des in Leipzig gastierenden Kabarett-Theater DISTEL besuchte, kam ihr voller Begeisterung die Idee, „Distel" in ihrer Übung als Schriftzug zu erarbeiten.

Auf sehr grobem, rauen weißen Büttenpapier schrieb sie mit einer sehr spitzen, jedoch elastischen Zeichenfeder wiederholt mit schwarzer Tusche „Distel". Wolfgang Mattheuer, der betreuende Dozent, lobte die Skizzen sehr und ein Schriftzug wurde besonders zur Weiterarbeit ausgewählt. Professor Albert Kapr regte darauf hin Ruth Altmann an, ein Plakat für die DISTEL zu gestalten. Es entstand das sehr gelungene DISTEL-Plakat mit dem markanten DISTEL-Schriftzug in 4-facher, jeweils andersfarbiger, plakativer Gestaltung auf schwarzen Fond. Durch sich dornig-berührendende Überschneidungen der Schrift wird eine gewisse Bildtiefe als auch Dynamik erzeugt.

 


Neben zahlreichen anderen Arbeiten waren auch der DISTEL-Schriftzug sowie das gelungen Plakat Teil der Abschlussprüfung Ruth Altmanns und trugen sehr dazu bei, das Diplom mit Auszeichnung abzulegen.

Aus Anlass einer Berlin-Exkursion der Seminargruppe am Ende des Studiums riet ein Mitstudent Ruth Altmann, das Plakat mitzunehmen und damit einfach mal bei der DISTEL vorbeizuschauen.

In der DISTEL zeigte sich Direktor Erich Brehm begeistert und übernahm das Motiv als Plakat für das nächste DISTEL-Programm „Oh, Du geliebtes Trauerspiel" (Premiere: 25.10.1956). Ruth Altmann entwarf das Plakat für fünf weitere DISTEL-Programme, musste dann aber leider 1958 ihre Arbeit für das Kabarett einstellen, weil die DEWAG, bei der sie inzwischen bis 1989 tätig war, freiberufliche Tätigkeiten nicht wünschte.

Ihr DISTEL-Schriftzug etablierte sich zum DISTEL-Logo, wie es bis heute  mit kleinen Modifizierungen und inzwischen dem roten ovalen Hintergrund – die so bekannte, gut wiedererkennbare Bildmarke unseres Kabaretts geblieben ist.

Die Entwicklung des DISTEL-Logos von 1956 bis heute
 

 

Vielen Dank, liebe Frau Altmann!

Ruth Altmann - Schöpferin des DISTEL-Schriftzuges | 2021
Ruth Altmann - Sommer 2021

Für folgende Programme entwickelte Ruth Altmann Plakat und Programmheft:
Oh, du geliebtes Trauerspiel – 25. Oktober 1956
Wenn die kleinen Kinder schlafen – 27. April 1957
Wohin rollst Du, Erdäpfelchen – 11. Oktober 1957
Liebe und Raketenbasen – 02. April 1958
Blick zurück nach vorn – 28. August 1958
Kein Platz für milde Satire – 21. November 1958

 
Fotos: © privat


RUTH ALTMANN (geboren 21.11.1930) – beruflicher Lebenslauf

4 Jahre Grundschule
6 Jahre Oberschule Pirna Abitur
3 Jahre Lehre DEWAG Dresden
5 Jahre Studium in Leipzig
Anschließend DEWAG Berlin bis 1989
War ihr ganzes Berufsleben der DEWAG verbunden und sehr erfolgreich in der Vielfalt der Werbung tätig.

PLAKATE und Werbekomplexe:
für den Binnenmarkt der DDR, also für HO und Konsum, WTB (Waren des täglichen Bedarfs, jeweils der Jahreszeit angepasst).
Fotoplakate: Ostern – Frauentag – Kindertag – Schulbeginn – 1.Mai – Weihnnachten

PLAKATE:
Filmplakat "Gervaise", Distelplakate (6), Tag des Rundfunks und Fernsehens, internationals Schriftstellertreffen, DR Reiseplakat (Reichsbahn);
Erfolgreiche Teilnahme an (durch den Verband Bildender Künstler ausgeschriebenen) internationalen Wettbewerben und Friedensplakaten (Preis).

FIRMENZEICHEN:
BACO, Hauswirtschaft, DEWAG, Brandschutz; Goldpunkt, Kunstblume, Zschopau MZ, Optiker

SCHRIFTGESTALTUNG:
DISTEL, Kapitelüberschriften für Zeitung Volkssolidarität, Ehrenurkunde GST

PROSPEKTE:
DISTEL-Programmhefte, Reisen in der DDR (Serie) Kameras, Alugeschirr, Prospekte für Auslandsmessen, Leipziger Messe, Kataloge für Dental- Technik, Sucrosin (für Diabetiker)

BUCHEINBÄNDE:
Für DOMOWINA Verlag (in sorbischer Sprache)

1989 JAHR DER WENDE
• Auflösung der DEWAG Werbung, Verlust meines Arbeitsplatzes sowie aber Auftraggeber
• Glücksumstand: Eintritt ins Rentenalter
• weiterhin kreative Tätigkeiten: Fotografieren, Filmen (das alte Wunschziel), Gestaltung eigener, privater Fotoshows (Bild, Text, Musik)
• Pflege und gestalterisch arbeiten im geerbten Sommergrundstück in Pötzscha
• Reisen, Urlaub, Wandern, Kuren, Musik, Freundschaften pflegen

2005 UMZUG
Von Berlin in die Heimat Pötzscha Wehlen in der Sächsischen Schweiz