17.05.2018

Markus Söder, der Kreuz-Ritter zur traurigen Gestalt

Folge 09

Ländlich, christlich, konservativ. Nein, es geht nicht um Texas, sondern um Bayern. Nach Beschluss des Bayerischen Parlaments dürfen die Bayern zukünftig ihr Kreuz nur noch bei der CSU machen. So sieht es der umstrittene Kreuz-Beschluss von Markus Söder vor.

Autor: TILMAN LUCKE

Laut Markus Söder ist das Kreuz kein religiöses Symbol, sondern ein Symbol für die Grundwerte Bayerns. Für ihn ist das Kreuz also nur ein Marketinggag, eine Art bayerisches Logo, mit dem er die kommende Populismusmeisterschaft, auch bekannt als Bayerische Landtagswahl, gewinnen möchte. Restdeutschland kann da nur den Kopf schütteln, wir wollen aber etwas für die Völkerverständigung tun und Ihnen Bayern näher bringen.

Um Bayern zu verstehen, müssen Sie vor dem weiterlesen 50 IQ-Punkte nach unten gehen. Prima, das ging doch ganz einfach. Bayern besteht bekanntlich aus drei Teilen: Den Franken, den bayerischen Schwaben und den Altbayern. Die drei sind eine einzige große Familie, d.h. sie hassen sich wie die Pest. Die Franken mögen die restlichen Bayern nicht, weil sie sich seit Jahrhunderten unterdrückt und zu kurz gekommen fühlen. Die Franken gelten daher als bayerische Ossis. Diese gegenseitige Abneigung ist zentral für Bayerns Identität. Noch wichtiger ist eigentlich nur der Liebe Gott. Der hört in Bayern auf den Namen Franz Josef Strauß. Als »Vorstufe zum Paradies« (Originalzitat Horst Seehofer!) definiert sich Bayern aber auch über Hochkultur, also das Oktoberfest. Ein himmlischer Spaß für jung und alt, bei dem München für zwei Wochen im Jahr aussieht wie Berlin. Ein Mekka des Alkoholmissbrauch, oder wie man in Bayern sagt: Brauchtumspflege. Ganz wichtig für die CSU. Denn beim Oktoberfest trifft sich regelmäßig der CSU-Vorstand und erbricht das neue Wahlprogramm. Und da sind immer ein paar harte Brocken dabei: Herdprämie, Männerquote, Deutschpflicht im Wohnzimmer, Lederhosenpflicht ab 1 Promille und Weißbier als Menschenrecht. In Bayern ist Politik eben immer noch Maßarbeit.

Anders als mit viel Promille lässt sich auch Markus Söder nicht erklären. Als Ministerpräsident ist der gebürtige Franke jetzt Ober-Bayer und politischer Betonkopf in einem. Also Franken-Stein. Das passt prima, schließlich verkleidet er sich so gerne zum Fasching. (Falls sie die Kostüme nicht kennen, googeln lohnt sich.) Einmal im Jahr verkleidet er sich aufwändig als Shrek oder Homer Simpson oder sogar als Marilyn Monroe! Die restlichen 364 Tage im Jahr dagegen geht er ganz ohne Kostüm als AfD-Politiker. Ein Naturtalent!

Sein Beschluss, Jesus Christus mitsamt Kreuz persönlich an jede bayerische Wand zu nageln, stößt aber auf unerwartet viel Kritik. Kreuze in staatlichen Einrichtungen vertragen sich nicht mit dem Grundgesetz. Das ist der Haken an der Sache meinen manche. Darauf erwidert die AfD, so ein Quatsch, an dem Kreuz ist überhaupt kein Haken, das ist doch der Haken an der Sache. Ebenfalls kritisch äußerte sich der Erzbischof von München; er sieht durch die Kreuzpflicht die Religion vom Staat missbraucht. Da wird er wohl Recht haben: mit Missbrauch kennt sich die Kirche aus.

Kurzum, Markus Söder schafft das Unmögliche: Das sich alle denkenden Menschen Horst Seehofer als Ministerpräsidenten zurückwünschen. Das ist eben Bayern.

Tilman Lucke & Martin Valenske sind gemeinsam zu sehen in: "frisch gepresst. Politcomedy-Late-Night", "Zwei Päpste für ein Halleluja"; Tilman Lucke in seinem Soloprogramm "Ich bin das Volk" und Martin Valenske außerdem in "Wir haben genug".

 

 

 

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