16.11.2015

Edgar Harter - 40 Jahre Schauspieler an der DISTEL

Edgar Harter ist der DISTEL-Dienstälteste. Im November 2015 gehört der Schauspieler 40 Jahre zum Ensemble und zählt somit auch zu den Urgesteinen der deutschen Kabarett-Landschaft.
Das ist auch ein für die deutschsprachige Theaterlandschaft eher seltenes Jubiläum. Es gibt nur sehr wenige, die ihrem Ensemble so lange die Treue hielten: Carmen-Maja Antoni ist seit 1976 am BE, Käthe Reichel brachte es auf 41 Jahre am DT, Ekkehard Schall auf 43 Jahre am BE, Albert Hetterle auf ebenfalls 43 Jahre am Maxim-Gorki-Theater und Inge Keller schaffte gar 51 Jahre am DT (abgesehen von späteren weiteren Gastrollen).

Edgar Harters Markenzeichen ist sein trockener Humor, mit dem er sich in die Herzen der Zuschauer spielt. Wer ihn noch nicht kennt, empfindet schnell diebische Freude an seinen kauzigen, kantigen Figuren, mit denen man sich gut identifizieren kann. Dabei verkörpert er wie kaum ein anderer den berühmten Berliner Charme: Rau, direkt, schnörkellos - aber von Herzen. Autoren wie Peter Ensikat, Inge Ristock, Hans Rascher, Frank Lüdecke und Martin Maier-Bode schrieben ihm Rollen auf den Leib, die mit ihren Außenseiterideen einen erhellenden Blick auf die Gesellschaft bieten.

Der drahtig-schlaksige Mitsechziger ist kein bisschen bühnenmüde. Im Kabarett erlebt er mit jeder Premiere eine Uraufführung. „Und auch sonst läuft im Kabarett nichts routiniert, jeder Abend ist anders. Auf die jeden Abend ganz eigene Resonanz des Publikums spontan zu reagieren, das erfordert hohe Konzentration auf der Bühne.“, sagt Harter. Das spontane und einfallsreiche Interagieren mit dem Publikum macht ihm Spaß. Harter schätzt ebenfalls die für das Kabarett typische, sehr enge Zusammenarbeit der Schauspieler mit den Autoren und Regisseuren

Edgar Harter stand erstmals am 16. November 1975 bei der Premiere von „Alles Rummel“ unter der Regie von Edgar Külow auf der DISTEL-Bühne. Sein Engagement ist auf spannende Weise mit der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands verknüpft: Gut eineinhalb Jahrzehnte musste es die DISTEL-Truppe verstehen, als staatliches Kabarett ideenreich durch ein engmaschiges Zensurnetz zu schlüpfen. „Der Unterschied zwischen uns Künstlern und den Oberen war“, so Harter, „wir wollten Schwachstellen aufdecken, um den Sozialismus zu verbessern; die SED wollte Schwächen gern unter die Decke halten.“ Nach 1989 mauserte sich die DISTEL, inzwischen als private GmbH völlig vogelfrei den Sachzwängen des „Kulturmarktes“ ausgesetzt, zum politisch frechen „Stachel am Regierungssitz“.

Edgar Harter war in 46 Kabarettprogrammen und über 10.000 Vorstellungen zu erleben. Er stand auf der Bühne mit Heinz Draehn, Otto Stark, Lutz Stückrath, Gerd Kießling, Wolfgang Bahro, um nur einige zu nennen. Seine Kollegen mögen seine Bescheidenheit und seine direkte, aber immer freundliche und unaufgeregte Art, von der er sagt, „Ich ärgere mich im Alltag fast immer nur bis Stufe hellgrau.“

Edgar Harter erhielt seine Ausbildung an der Berliner Schauspielschule „Ernst Busch“. Anschließend war er ab 1970 am Theater in Meiningen und dann ab 1972 in Neustrelitz engagiert, wo er vorwiegend als jugendlicher Charakterdarsteller auftrat. Während seines Engagements an der DISTEL arbeitete er nebenbei auch für das Fernsehen und übernahm Hörspielrollen beim Rundfunk.

Von 1976 bis 1978 spielte er am Deutschen Theater die Rolle des Lancelot alternierend für Eberhard Esche (einer seiner Lehrer an der Schauspielschule) in „Der Drache“ von Jewgeni Schwarz, inszeniert von Benno Besson.

Edgar Harter ist begeisterter Berliner und fotografiert gern Typisches, wie z.B. Streetart und Graffiti, wovon er inzwischen eine große Bildersammlung angelegt hat. Harter fährt außerdem leidenschaftlich Rad. Er hat nie einen Führerschein gemacht und erledigt jeden Weg mit den Drahtesel. Das gilt auch für die Theaterferien. Mit seinem Lebenspartner durchquerte er bereits über 20 Länder im Sattel – immer auf der Suche nach dem Alltag der Einwohner, also jenseits der touristischen Wege.

Zurzeit ist Edgar Harter im Programm „Im Namen der Raute“ und ab Dezember in „Endlich Visionen“ zu sehen. Im Sommer 2016 feiert ein neues DISTEL-Programm unter seiner Mitwirkung Premiere.

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