Rüdiger Rudolph

Was ist schlimmer als verlieren? Siegen. Da komme ich her.

Meine Eltern, die sich übrigens in Berlin kennengelernt hatten, hatte es dorthin verschlagen, vermutlich bevor sie den Spruch gehört hatten und wenn der Witz auch nicht neu ist, so hat man doch mit seiner Geburt in Siegen, das Recht teuer bezahlt ihn reißen zu dürfen.

Unterm Strich fand ich jedoch meine Kindheit und Jugend in Siegen gar nicht so schlimm, bin sogar noch für meinen Zivildienst in einer Kinderklinik dort geblieben. Aber dass ich dann los ziehe in die große weite Welt, war für mich immer ausgemachte Sache. So richtig weit bin ich erstmal nicht gekommen. Zuerst zog ich nach Köln und habe dort eine Schauspielausbildung gemacht. Und einen Taxischein. Den ich zum Glück gar nicht so oft gebraucht habe, weil ich schon bald in mein erstes Theaterengagement gehen durfte - nach Gießen. Übrigens eine Stadt mit ähnlichen Qualitäten wie Siegen. Aber die Landschaft!

Nach weiteren Engagements hier und da bin ich dann (endlich) 1998 nach Berlin, mit allem, was wir jungen Wessis damals so gemacht haben. Von wegen Prenzlauer Berg und verdammt günstige Miete und so. Nicht dass ich hier ein Engagement gehabt hätte, ich wollte einfach nach Berlin. Ich hatte immer eine starke Verbindung hierher, meine Mutter ist in Potsdam groß geworden, wohin wir beide jeden Sommer von Siegen aus gefahren waren.

Und ich weiß gar nicht, wie ich das gemacht habe, aber mittlerweile habe ich eine Frau und zwei Kinder und eine Katze, obwohl ich Hunde liebe. Und arbeiten tu ich auch. Und dass ich jetzt an der schönen Distel zu Gast sein darf, freut mich mächtig. Und das nicht nur, weil ich nach drei Jahren an einem Theater in Thüringen jetzt abends lediglich noch die Straße runter gehen muss.

 

Rüdiger Rudolph ist Gast im DISTEL-Ensemble.

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